
Die feile Muse
O meine muse · reicher hallen frau ·
Entlässt der jänner seine ungeheuer
In trüber schneenacht: hast du dann ein feuer
Für deinen kleinen fuss vor kälte blau?Du kannst nicht deine marmorschultern laben
Am nächtigen schein der durch die läden bricht
Und · leer die börse leer den gaumen · nicht
Nach gold in deinen azur-grotten graben.Du musst um brot zu finden ohne lass
Und gar zur schau dich stellen hungermatt ·
Als chorkind spielend mit dem weihrauchfass
Te-deum singen gegen deinen willen
Mit scherzen an verdeckter thränen statt
Der niedren menge lachgelüste stillen.
Charles Baudelaire - Die feile Muse
Charles Baudelaire, Die Blumen des Bösen, Übersetzt von Stefan George, Bondi Verlag, Berlin, 1901, S. 24.
Abbildung: Guillaume Seignac - Psyche
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