Mit einer Lüge schloß, um würdig ihn zu schließen,
Der lügende Marvull den schlechten Lebenslauf.
Er schwur verzweiflungsvoll, er schwur, sich zu erschießen,
Und gieng und - hing sich auf.
(Friedrich Christoph Weisser, aus: Satyrische Blätter, Zweiter Theil, Dyk'sche Buchhandlung, Leipzig, 1813, S. 168)
Donnerstag, 20. Mai 2010
Freitag, 14. Mai 2010
Hanns von Gumppenberg - nach Hans Bethge: Unentschlossenheit
UNENTSCHLOSSENHEIT
Nebel nässen überm Wasser,
Dennoch rudr’ ich dich hinaus,
Und wir werden naß und nasser,
Doch die Sehnsucht bleibt uns aus.
Lautlos sitzen wir, verbittern:
Angst und Qual, doch keine Sucht –
Endlich rudr’ ich dich mit Zittern
Rückwärts, rückwärts in die Bucht.
Werden wir verrückt, Maria?
nach Hans Bethge
nach: Hanns von Gumppenberg, Das teutsche Dichterroß, Callwey Verlag, München, 13/141929, S. 93 (von der deutschen wikisource übernommen)
Nebel nässen überm Wasser,
Dennoch rudr’ ich dich hinaus,
Und wir werden naß und nasser,
Doch die Sehnsucht bleibt uns aus.
Lautlos sitzen wir, verbittern:
Angst und Qual, doch keine Sucht –
Endlich rudr’ ich dich mit Zittern
Rückwärts, rückwärts in die Bucht.
Werden wir verrückt, Maria?
nach Hans Bethge
nach: Hanns von Gumppenberg, Das teutsche Dichterroß, Callwey Verlag, München, 13/141929, S. 93 (von der deutschen wikisource übernommen)
Labels:
Bethge,
Gumppenberg,
Unentschlossenheit
Sonntag, 2. Mai 2010
Karl Frohme – Frommer Wunsch. (1871.)
Karl Frohme – Frommer Wunsch. (1871.)
Wenn ich einmal der Papst könnt' sein,
Schlöss' ich Sankt Peters Dom
Und richtete zum Wirtshaus ein
Den Vatikan in Rom.
Dann holte ich von weit und breit
Des Rebensaftes viel,
Und lüd' die ganze Christenheit
Zu einem Weinkonzil.
Schlöss' ich Sankt Peters Dom
Und richtete zum Wirtshaus ein
Den Vatikan in Rom.
Dann holte ich von weit und breit
Des Rebensaftes viel,
Und lüd' die ganze Christenheit
Zu einem Weinkonzil.
Damit ging's sicherlich nicht schief,
Wie mit manch anderm schon,
Ich schriebe einen Hirtenbrief
Im tolerant'sten Ton.
Als Motto – ha, das hätte Zug! –
Müßt' drauf zu lesen sein
Der allbekannte Bibelspruch:
»Dem Traurigen gib Wein!«
Wie mit manch anderm schon,
Ich schriebe einen Hirtenbrief
Im tolerant'sten Ton.
Als Motto – ha, das hätte Zug! –
Müßt' drauf zu lesen sein
Der allbekannte Bibelspruch:
»Dem Traurigen gib Wein!«
Ich selber übernähm' ganz frei
Das Kellermeisteramt,
Indes die schwarze Klerisei
Zum Zusehn würd' verdammt.
Der himmlischen Gendarmerie,
Mit oder ohn' Tonsur,
Säng' ich 'ne Abschiedsliturgie
Im Namen der Kultur.
Das Kellermeisteramt,
Indes die schwarze Klerisei
Zum Zusehn würd' verdammt.
Der himmlischen Gendarmerie,
Mit oder ohn' Tonsur,
Säng' ich 'ne Abschiedsliturgie
Im Namen der Kultur.
Belegt' sie mit dem großen Bann
Im Namen der Vernunft –
Sie könnten auf dem Monde dann
Sich suchen Unterkunft.
Und alles rief' voll Fröhlichkeit:
»Zieht hin, wir bleiben hier,
Ihr trankt für uns gar lange Zeit, –
Für euch jetzt trinken wir!«
Im Namen der Vernunft –
Sie könnten auf dem Monde dann
Sich suchen Unterkunft.
Und alles rief' voll Fröhlichkeit:
»Zieht hin, wir bleiben hier,
Ihr trankt für uns gar lange Zeit, –
Für euch jetzt trinken wir!«
Das gäb' 'ne lust'ge Kneiperei,
Wie nie die Welt sie sah,
Ohn' Frömmelei und Heuchelei
Versöhnte man sich da. –
So käm' doch einmal noch zu Ehr'
Die Siebenhügelstadt –
Und ich, ha, ha, ich wäre der,
Der das bewirket hat!
Wie nie die Welt sie sah,
Ohn' Frömmelei und Heuchelei
Versöhnte man sich da. –
So käm' doch einmal noch zu Ehr'
Die Siebenhügelstadt –
Und ich, ha, ha, ich wäre der,
Der das bewirket hat!
aus: Karl Frohme, Empor!, Lieder und Gedichte, Auer & Co., Hamburg, 1910, S. 15 f.
Karl Frohme (4. Februar 1850, Hannover – 9. Februar 1933, Hamburg)
Karl Frohme war deutscher Politiker (Sozialdemokrat) und Schriftsteller.
Labels:
Frommer Wunsch,
Karl Frohme
Abonnieren
Posts (Atom)